Offener Brief an die Herren Prohaska und Herzog

Offener Brief
Jänner 2013

Betreff: Handlungsspielraum

Sehr geehrte Herren Prohaska und Herzog,

täglich begegnet mir Ihr Gesicht auf meinem Weg zu meiner Bushaltestelle.
„Ala long spüst bei mir!“ (Neuerdings: „Ala long spüst bei Wettpunkt.“)

Der Satz hallt in mir wider.
Und immer öfters frage ich mich, warum ich diesen gut gewählten Spruch und Ihr – in Österreich
und sicherlich über die Grenzen dieses Landes weit hinausgehend – bekanntes und beliebtes
Gesicht nicht auf einer der zahlreichen Fußballspielstätten sehe. Quasi als Ansporn für Jugendliche,
doch ihr (fußball-) spielerisches Talent in einem nahegelegenen Verein zu erproben und zu
verbessern.

Warum muss ich Ihr Gesicht unbedingt mit Wettlokalen – umgangsprachlich auch Spielhöllen
genannt – in Verbindung bringen? Wo ich doch weiß, wieviele Familien zu Grunde gehen an dem
gefährlichen Spiel mit dem Glück, in der Hoffnung, EINMAL so richtig abzucashen?
Warum nur? Warum?

À la long spielst bei mir.
In diesem Satz liegt soviel Hoffnung und ein unendlicher Handlungsspielraum.
Ich wünschte, Ihr Gesicht würde mir das Unbehagen und das Beklommenheitsgefühl nehmen.
Tut es aber nicht.
Werbung kann sicher vieles.

Den Mut zur Zivilcourage und den Mut zum Widerstand gegen das gefährliche Glücksspiel
zerstören kann sie bei mir nicht. Aber ich fürchte, nicht viele Betroffene besitzen die dazu
nötige Kraft.

„À la long spielst bei mir!“
Ich hoffe, diesen hoffnungsfrohen Satz neben Ihrem Gesicht bald in einem anderen Zusammenhang
zu sehen.

Mit herzlichen Grüßen
eine Bewohnerin der Republik Reinprechtsdorf
Für ein lebenswertes Zusammenleben in einer lebenswerten Stadt.

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